ehem. Vorstandsvorsitzender der Daimler Benz AG Edzard Reuter im Gespräch mit Nejdet Niflioğlu
Edzard Reuter *1928 lebte von 1935 bis 1946 in der Türkei im Exil. Sein Vater Ernst Reuter, war ein bekannter Sozialdemokrat und ab 1931 Bürgermeister von Magdeburg. Er entkam, wie viele andere Gelehrte nur knapp der Inhaftierung durch die Nazis in einem KZ. Sie folgten der Einladung des Gründers der türkischen Republik; Mustafa Kemal Atatürk nach Ankara. Von 1935 bis 1939 arbeitete Ernst Reuter im Wirtschaftsministerium, 1939 dann im Verkehrsministerium. Ab 1938 ergänzte er seine Tätigkeit im Ministerium durch eine Lehrtätigkeit an der Verwaltungshochschule von Ankara. Ab 1940 war er ausschließlich als Lehrbeauftragter an der Hochschule tätig. 1941 wurde er zum Professor für Kommunalwissenschaft ernannt. Ab 1944 wirkte Ernst Reuter zusätzlich als Berater für die Schifffahrts- und Hafenverwaltung Istanbuls. Nach dieser Zeit im Exil war Ernst Reuter von 1948 bis 1953 Regierender Bürgermeister von Berlin. Edzard Reuter wurde in Ankara von Leyla Kudret unterrichtet. Ihre private Schule in Ankara überdauerte den Krieg und auch die Nachkriegszeit. Sie unterrichtete dann auch an der 1952 in Ankara gegründeten Deutschen Schule, die seit 2002 Ernst-Reuter-Schule heißt. Nach der Rückkehr nach Deutschland studierte Edzard Reuter zunächst Mathematik und Theoretische Physik, später Rechtswissenschaften und wurde 1957 Prokurist der Ufa in Berlin und 1962 Mitglied der Geschäftsleitung der Münchener Bertelsmann Fernsehproduktion. 1964 stellte ihn Hanns Martin Schleyer in der Zentrale von Daimler-Benz in Stuttgart-Untertürkheim ein, wo er später in den Vorstand aufstieg. Von1987 bis 1995 war er Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG. Vor allem wegen seines Engagements für den Ausbau des Potsdamer Platzes wurde Reuter 1998 zum Ehrenbürger von Berlin ernannt. Er ist Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Bankgesellschaft Berlin und im Vorstand mehrerer kultureller und wissenschaftlicher Förderkreise und Stiftungen, u. a. der Helga und Edzard Reuter-Stiftung zur Förderung der Völkerverständigung. Weiterhin ist er im Kuratorium der Carlo-Schmid-Stiftung, im Kuratorium der Reportageschule Reutlingen und im Kuratorium der Hilfsorganisation CARE Deutschland. Für die Türkei ist Edzard Reuter eine historische Person, ein Teil der Geschichte ihrer Republik- ein Zeitzeuge. Initiiert von Yunus-Emre-Enstitüsü, Berlin (Türkisches Kulturzentrum Berlin) wurde der Film "Edzard Reuter – Beine wie ein Storch" gedreht und am 18. Juli 2017 uraufgeführt. Unter dem Lable "Haymatloz" finden zahlreiche Ausstellungen und Vorträge über die Exil-Deutschen statt. Edzard Reuter ist gerngesehener Redner auf diesen Veranstaltungen. Er erzählt, vergleicht, mahnt und erinnert immer wieder an die Freundschaft der Deutschen und der Türken. Großes Ansehen erwarb er sich während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender durch die wissenschaftliche Aufarbeitung und breite Dokumentierung der Verflechtung des Daimler Konzerns mit den Nationalsozialisten und den Einsatz von Zwangsarbeitern.
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